Hundeausbildung - Erfolgreiches Lernen

 

Einstimmen
Umweltreize
Zergliederung in kleinste Bestandteile
Generalisieren (Verallgemeinern)
Absichern
Immer erfolgreich abschließen

Die Fähigkeit zum Lernen ist allen Tieren angeboren, um ihnen eine Anpassung an ihren Lebensraum und das Überleben zu erleichtern. Über die Lernbereitschaft, -geschwindigkeit und -nachhaltigkeit entscheiden viele Faktoren, so z.B. der eigene Gesundheitszustand und die situative Motivation.

Einstimmen
Die wichtigste Voraussetzung für das Lernen Ihres Hundes ist die Kommunikationsbereitschaft. Hierfür benötigen Sie die Aufmerksamkeit Ihres Hundes, das heißt, nichts darf Ihren Hund mehr interessieren als Sie! Dies erreichen Sie z.B. durch Motivationsobjekte (Spielzeug oder Leckerchen). Ihr Hund sollte wissen, dass ihn bei Ihnen etwas Erstrebenswertes erwartet. Machen Sie ihn daher auf die Motivationsobjekte aufmerksam. Reagiert Ihr Hund übereifrig auf diese, fällt es ihm schwer sich auf die folgenden Übungseinheiten zu konzentrieren. In dieser Situation ist Lernen für ihn unmöglich. Daher müssen Sie seine Übermotivation etwas bremsen und sich die Aufmerksamkeit Ihres Hundes sichern. Stecken Sie die Motivationsobjekte weg (er weiß ja jetzt, dass ihn bei Ihnen etwas Tolles erwartet). Laufen sie mit ihm an der Leine ein paar Schritte. Werden Sie beim Laufen immer langsamer und halten Sie seine/n Aufmerksamkeit/Blickkontakt mit "beruhigendem Lob" (also mit sanften und leisen Worten) und freundlicher Mimik. Vermeiden Sie hektische Einwirkungen auf den Hund (z.B. an ihm Zerren oder Rucken).

Dies würde ihn nur noch mehr aufputschen. Seine Bewegungen werden langsam harmonischer. Schaut er Ihnen erwatungsvoll fordernd ins Gesicht (Sie haben das Gefühl, dass die Luft zwischen Ihnen und Ihrem Hund förmlich vor Spannung knistert) und seine Körperspannung zeigt, dass er nur darauf wartet etwas für Sie tun zu dürfen, so haben Sie jetzt eine gemeinsame Kommunikationsbasis. Nun können Sie Ihre erste Übungseinheit beginnen.

Haben Sie hingegen einen Hund der weder für Leckerchen noch für Spielzeug großes Interesse zeigt, so sind Sie mehr gefordert. Werden Sie aktiv, indem Sie sich schnell bewegen und ihn mit der Stimme anspornen. Machen Sie ihm klar, dass er selbst sein Leckerchen/Spielzeug unbedingt haben will. Zeigen Sie ihm das Motivationsobjekt und enhalten Sie es ihm, kurz bevor er es erreichen kann, vor. Tun Sie so als wäre es das wertvollste auf der Welt und er müsste Sie überlisten um es zu bekommen. Vermeiden Sie jeglichen scharfen Ton in der Stimme und wirken Sie in dieser Situation auch niemals negativ auf Ihren Hund ein (z.B. an ihm Zerren oder Rucken). Lassen Sie sich ruhig von dem Hund "beklauen" und freuen Sie sich mit ihm, wenn er es geschafft hat. Folgt er Ihnen nun freudig und versucht Sie erneut zu beklauen, halten Sie seinen Blickkontankt und seine freudige Erwartung aufrecht. Ihr Hund ist kommunikationsbereit. Beginnen Sie jetzt mit dem Training.

Berücksichtigen Sie immer Alter und Ausbildungsstand Ihres Hundes. Beginnen Sie mit einem Welpen die ersten Trainingseinheiten, so ist seine Konzentrationsspanne höchstwahrscheinlich nicht sehr lang.

Um den Hund in Lernstimmung zu bringen, müssen Sie selbst motiviert sein. Ihre Stimmmung überträgt sich auf den Hund. Haben Sie keine Lust oder fühlen sich unwohl, so trainieren Sie lieber zu einer anderen Zeit.

Umweltreize
Stimmen Sie Ihren Hund auf das Lernen ein. Beginnen Sie den Aufbau einer neuen Übung immer in, für den Hund, reizarmer Umgebung. Reizarm heißt, dass alle Faktoren, die Ihren Hund ablenken könnten, auf ein Minimum rediziert sind. Neben anderen Hunden, vielen Menschen, lauten Geräuschen usw., stellen auch neue Gerüche für Ihren Hund eine große Ablenkungsquelle dar. Somit bietet es sich an, dass Sie neue Übungen z.B. auf dem eigenen Grundstück oder gar in Ihrem Wohnzimmer beginnen. Damit Ihr Hund zwischen Ihrem Signal (Befehl) und dem dazugehörigen Verhalten assoziieren kann, sind viele aufeinander folgende Wiederholungen in kurzen Zeitabständen nötig. Dies ist schwer möglich, wenn er immer wieder abgelenkt wird.

Zergliederung in kleinste Bestandteile
Viele, wenn nicht alle, Signale die ein Hund erlernt, bestehen aus unzähligen einzelnen "Einheiten", so z.B. das "Sitz!". Dieses Signal wird von vielen Hunden scheinbar sehr schnell erlernt. Doch schauen wir genauer hin. "Sitz!" bedeutet, mit dem "Po" den Boden zu berühren. Das ist vielen Hunden sehr schnell klar. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Hund nun auch in jeder Situation dieses Signal ausführen kann. So weiß er z.B. nicht, dass er aus dem "Platz!" auch in die Sitzposition kommt. Dies muss gesondert geübt werden. Des Weiteren sieht der Aufbau des "Sitz!" meist wie folgt aus: Herrchen/Frauchen bleibt stehen und sagt "Sitz!" und der Hund setzt sich. Dies funktioniert dann aber schon nicht mehr, wenn der Besitzer nicht stehen bleibt, sondern im Laufen ein "Sitz!" verlangt. "Sitz!" aus der Bewegung ist somit auch wieder eine neue Übungseinheit. Auch das Erlernen des "Sitz!" unter Ablenkung, z.B. durch andere Hunde, andere Menschen, laute Geräusche usw., muss gesondert geübt werden. Hat der Hund dies alles gelernt, so weiß er weder "automatisch" wie lange er nun zu sitzen hat noch, dass er sitzen muss, wenn sich der Besitzer entfernt. Dies sind nur einige wenige der Bestandteile, die alle einzeln zu einem scheinbar so einfachen Signal wie dem "Sitz!" gehören.

Das heißt für Sie also, selbst wenn eine Übung nicht aus mehreren Verhaltensketten wie z.B. das "Fuß!" (um den Hundeführer herum laufen, parallel neben ihn setzen, Blickkontakt halten, auf gleicher Höhe mitlaufen etc.) besteht, so müssen Sie sich dennoch gewahr werden, dass Sie Ihre Übung in einzelne Bestandteile (Ausführungsgeschwindigkeit des Signals, Ausführen des Signals unter Ablenkung, Ausführungsdauer des Signals) zerlegen müssen. Alle diese Bestandteile müssen vom Hund einzeln erlernt werden. Daher können Sie beispielsweise nicht gleichzeitig am "Sitz bleib!" und an der Ausführungsgeschwindigkeit dieses Kommandos üben. Das wäre wie Mathe-, Deutsch- und Englischhausaufgaben gleichzeitig zu machen. Nehmen Sie sich daher immer nur einen Bestandteil vor und üben Sie dann auch nur diesen. Üben Sie an der Ausführungsgeschwindigkeit des "Sitz!", so wird der Hund sofort gelobt, wenn er mit dem "Po" den Boden berührt. Üben Sie hingegen die Ausführungsdauer des Sitzens ("Sitz bleib!"), so müssen Sie Ihren Hund einige Sekunden sitzen lassen ohne, dass er aufstehen darf und können ihn daher auch erst nach einigen Sekunden loben. So wird diese Übung das Setzen des Hundes nicht beschleunigen.

Generalisieren (Verallgemeinern)
Hunde sind "Ortslerner". Wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung gelernt haben ein Signal korrekt auszuführen, so bedeutet dies nicht, dass sie es deshalb auch überall sonst können. Um ein gelerntes Signal zu festigen und zu gewährleisten, dass es in JEDER Situation abrufbar ist, muss der Hund verallgemeinern, dass ihr Signal auch immer die gleiche Verhaltensweise von ihm verlangt. Variieren Sie nun die Situationen in denen der Hund das Erlernte anwenden soll. Steigern Sie hierbei langsam den Schwierigkeitsgrad. Fügen Sie nach und nach immer mehr Ablenkfaktoren hinzu. Um beim Beispiel "Sitz!" zu bleiben: Sie haben bisher nur "Sitz!" in Ihrer Wohnung geübt, so gehen Sie nun auf die Wiese vor Ihrem Haus und versuchen Sie es dort. Nun steigern Sie den Schwierigkeitsgrad unmerklich in den nächsten Übungseinheiten. Nehmen Sie sich nun z.B. eine Wiese vor auf der einige Hunde sind. Erhöhen Sie Ihre Anforderungen und versuchen Sie es z.B. in einer Fußgängerzone. Je verschiedener die Situationen in denen der Hund das Erlernte anwenden muss, umso sicherer wird er in der Ausführung des Signals. Hierbei heißt es auch wieder: Werden Sie kreativ! Zurück zu unserem Beispiel "Sitz!": Verlangen Sie es von Ihrem Hund auch auf den unterschiedlichsten Untergründen (Sand, Kopfsteinpflaster, Wiese, Schnee, Wasser, Alufolie, Plastikbeutel, etc.) und zu unterschiedlichsten Uhrzeiten (Trainieren Sie immer nur nachmittags, so wird Ihr Hund, wenn es erforderlich ist (z.B. in Prüfungssituationen) zu anderen Uhrzeiten vielleicht nur schwer in "Arbeitsstimmung" kommen.). All dies hilft dem Hund zu verstehen, dass "Sitz!" immer Setzen bedeutet und er wird immer zuverlässiger in der Ausführung dieses Signals.

Achten Sie darauf, dass Sie den Schwierigkeitsgrad langsam erhöhen, damit die Aufgabe für den Hund immer zu bewältigen ist. Kann er eine Aufgabe nicht bewältigen, so ist das IHR Fehler! Sie haben Ihren Hund überschätzt. Senken Sie den Schwierigkeitsgrad wieder und versuchen Sie es später noch einmal.

Leider kann man nie alle Alltagssituationen voraussehen, daher ist es umso wichtiger, dass Sie jede Situation, die neu ist oder die Sie gerade für wichtig halten, zum Üben mit Ihrem Hund nutzen. Je verschiedener die Übungssituationen, umso sicherer wird das Ausführen des Signals im Alltag. Ein gehorsamer Hund hat mehr Freiheiten und sein Gehorsam kann ihm im Ernstfalle vielleicht einmal das Leben retten.

Absichern
Ihr Hund hat nun eine neue Übung erlernt und führt sie sicher aus. Ihr Hund hat auch gelernt, dass es sich für ihn lohnt dieses Signal auszuführen, denn dafür bekommt er Lob und/oder die Motivationsobjekte (Leckerchen/Spielzeug).
Dennoch werden Sie in Situationen kommen, in denen Ihr Hund ein zuverlässig erlerntes Signal nicht ausführt. Dies liegt daran, dass plötzliche Geschehnisse seiner Umwelt in seiner Interessenswelt höher eingestuft werden als Ihr Lob oder seine Motivationsobjekte. Bleiben wir wieder beim Beispiel "Sitz!". Verlangen Sie es von ihm während er lieber mit einem anderen Hund toben möchte, so kann es passieren, dass er sich eher für das Toben entscheidet als für ein Leckerchen/sein Spielzeug und er somit nicht auf Ihr Signal reagiert. Was ist hier passiert?

Keine Angst, dieses Verhalten ist normal. Ihr Hund hat sich seinem Ausbildungsstand entsprechend verhalten. Bisher hat er gelernt, dass er auf "Sitz!" reagieren muss, wenn ER ein Leckerchen oder sein Spielzeug WILL. Er weiß allerdings noch nicht, dass er auch reagieren MUSS, wenn er kein Leckerchen oder Spielzeug möchte und ihm der Sinn nach anderen Dingen steht (z.B. Toben mit anderen Hunden). Er weiß also: Setze ich mich, dann ist das "Fein!". Setze ich mich nicht, passiert nix.

Nun ist es an der Zeit, dass Sie Ihr Signal auch dann durchsetzen, wenn der Hund etwas anderes vorzieht. Konsequenz ist hierbei sehr wichtig, wann immer Sie ein "Sitz!" verlangen, setzen sie es auch durch!
Häufig höre ich Sätze wie: "Er hat jetzt nur keine Lust!" So etwas gibt es bei Hunden nicht! Ein Hund wird durch seine Triebe (Futtertrieb, Spieltrieb, Beutetrieb, Paarungstrieb etc.) gelenkt. Reagiert Ihr Hund nicht, so liegt es daran, dass ihn etwas anderes gerade MEHR interssiert (Toben, läufige Hündin, etc.) oder seine Konzentrationsspanne ist erschöpft. Letzteres sollten Sie rechtzeitig erkennen und das Training beenden, BEVOR es soweit kommt.

Jetzt ist es an der Zeit, dass Sie Ihrem Hund erklären, für jedes ausgeführte Signal gibt es Lob, für jedes missachtete Signal wirken Sie korrigierend (notfalls strafend) ein. Reagiert er nicht auf Ihr "Sitz!", so greifen Sie ihm ins Halsband und ziehen es nach oben, während sie gleichzeitig seinen Po nach unten drücken. Entwickeln Sie diese Handgriffe zu einem schnellen Handlungsablauf (Sie werden ihn noch des Öfteren benötigen.). Reagiert er auf Ihr Signal und setzt sich, führt es jedoch nicht bis zum Ende (bis zu einem anderen Signal oder Ihrer Erlaubnis wieder aufstehen zu dürfen) aus, so korrigieren Sie ihn (z.B. mit einem Leinenruck) punktgenau in dem Moment, in dem er sich falsch verhält. Besser wäre allerdings, wenn Sie schon korrigierend eingreifen würden, BEVOR Ihr HUnd das Signal von selbst beendet. Beim Beispiel "Sitz!" sähe das folgendermaßen aus: Sie verlangen ein "Sitz!" und ihr Hund setzt sich (soweit schon sehr schön). Er entdeckt einen anderen Hund und wird unruhig. Sie erkennen, dass er gleich aufstehen und das Signal selbstständig beenden wird, also greifen sie korrigierend mit lauter, tiefer und knurrender Stimme ein. "AAaaaber!" Ihr Hund setzt sich wieder. Loben Sie ihn! Setzt er sich nicht sondern steht er sogar auf, folgt von Ihnen ein plötzlicher Ruck an der Leine und Sie bringen ihn wieder in das "Sitz!" (greifen Sie ihm ins Halsband und ziehen es nach oben, während sie gleichzeitig seinen Po nach unten drücken).

Schon bald ist ihr Hund wieder einen Trainingsschritt weiter. Anfangs wusste er nur: Ausführen des Signals bedeutet Spaß (Lob, Leckerchen, Spielzeug), bei Missachtung oder selbstständigem Beenden des Signals passiert nichts. Jetzt weiß er, die Ausführung eines Signals bedeutet Lob (=angenehm für ihn). Missachtung oder selbstständiges Beenden bedeutet Strafe (= unangenehm für ihn). Verfahren Sie nun weiterhin so, bis ihr Hund in JEDER Situation korrekt reagiert.

Immer erfolgreich abschließen
Nicht immer funktioniert das Training mit dem Hund so wie Sie es sich vorgestellt haben. Dies kann viele verschiedene Ursachen haben. Fehler sollten Sie immer nur bei sich suchen, niemals beim Hund! Versteht er nicht, was Sie ihm vermitteln wollen, so haben Sie nicht den richtigen "Erklärungsansatz" gefunden. Auch wenn Sie vor Wut am liebsten in den nächsten Baum beißen würden, reißen Sie sich zusammen! Wutausbrüche jeglicher Art sollten Sie nicht an Ihrem Hund auslassen! Negative Emotionen sind fehl am Platze. Sie übertragen sich auf Ihren Hund und nehmen ihm den Spaß am Lernen. Trainieren Sie deshalb nur, wenn Sie guter Laune sind und nicht die Gefahr besteht, dass Ihnen der Geduldsfaden reißen könnte.
Sollten Sie dennoch das Training vorzeitig beenden wollen, so brechen Sie nicht einfach ab (das käme einer Strafe gleich), sondern verlangen Sie etwas von Ihrem Hund, dass er 100%ig richtig macht und zuverlässig ausführt. Somit haben Sie etwas für das Sie ihn Loben können und Sie beenden Ihre Trainingseinheit positiv, daher kann sich Ihre negative Stimmung nicht auf die Lernsituation übertragen. Ihr Hund ist dann bei der nächsten Trainingseinheit wieder freudig bei der Sache. Das funktioniert aber nur, wenn er vermittelt bekommt, dass Lernen Spaß macht. Auch das Lernen muss er lernen!

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Zergliederung in kleinste Bestandteile
Generalisieren (Verallgemeinern)
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