Auswahl des Hundes

 

Bedenken vor der Anschaffung
Vor der Anschaffung eines Hundes sollten Sie sich zuerst überlegen, ob Sie den Bedürfnissen des Tieres gerecht werden können und wollen. In erster Linie will Ihr Hund BEI IHNEN sein. Wenn Sie schon am Tage nur wenig Zeit für Ihren Hund finden, ist es umso wichtiger, dass Sie sich wenigstens am Abend Zeit nehmen! Vergessen Sie niemals, dass Hunde Rudeltiere sind! Daher ist alleinige Zwingerhaltung keine artgerechte Hundehaltung! Oder haben sie schon von einem Rudel gehört, dessen einzelne Mitglieder sich zum Schlafen ganz einsam in abgetrennte Bereiche zurück ziehen müssen?! Das heißt natürlich nicht, dass Sie mit Ihrem Hund in einem Bett schlafen müssen, aber ein Liegeplätzchen vor der Schlafzimmertür (besser wäre IM Schlafzimmer), sollten Sie für ihn schon einplanen.
Es ist für Ihren Hund auch nicht wirklich entscheidend, ob Sie ein Haus und ein großes Grundstück besitzen oder in einer Mietwohnung leben. Für ihn ist nur wichtig, dass er mit Ihnen Zeit verbringen und die vielen kleinen Abenteuer des Alltags erleben darf. Einen weiteren wichtigen Aspekt, den Sie (VOR der Anschaffung eines Hundes) bedenken sollten, sind die finanziellen Belastungen, die auf Sie zukommen könnten (Futter, Spielzeug, Tierarztkosten, Steuern, evtl. Hundeschule).

Welche Rasse/welcher Mischling passt zu mir?
Mischlings- oder Rassehunde unterscheiden sich insofern voneinander, dass bei einem Rassehund die charakterliche Entwicklung vorhersagbarer ist als bei einem Mischlingshund. Das Aussehen des Hundes sollte bei seiner Auswahl eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Hund ist kein Accessoir! Schaffen Sie sich keinen Hund an, nur weil er gerade "in" ist (sogenannte Moderassen, "101 Dalmatiner", "Ein Hund namens Beethoven", "Lassie").
Wichtiger ist, dass Sie sich vorab über die, für Sie in Frage kommenden, Rassen informieren.


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Jede Hunderasse hat aufgrund ihres ursprünglichen Arbeitsbereiches auch entsprechende Entwicklungsanlagen. So ist z.B. bei Border Collies das Anstarren ("Border-Collie-Glotzmodus"), welches ihnen beim Schafehüten hilft, häufig sehr ausgeprägt. Retrieverrassen (to retrieve = engl. zurück bringen) mögen das Apportieren sehr - um nur einige "rassetypische" Verhaltensweisen zu nennen. Das heißt also, dass Sie VOR der Anschaffung eines Hundes überlegen sollten, welche Charaktermerkmale und körperlichen Eigenschaften eines Hundes zu Ihnen passen würden. Wenn Sie beispielsweise viel und lange mit Ihrem Hund mit dem Fahrrad unterwegs sein wollen, so wäre ein Bernhardiner der absolut falsche Hund für Sie. Demnach sollten Sie eher nach einer bewegungsfreudigen Rasse oder einem Mischling aus bewegungsfreudigen Rassen (z.B. Boxer, Dalmatiner etc.) Ausschau halten. Informieren Sie sich auch über Vor- und Nachteile Ihrer bevorzugten Hunderasse! Rasseportraits finden Sie ebenfalls im Internet.
Vorsicht ist bei dem Satz "Diese Rasse ist besonders kinderlieb." geboten. Das Verhalten eines Hundes gegenüber Kindern ist das Resultat seiner Erfahrungen! Hat er mit Kindern überwiegend gute Erfahrungen gemacht, wird er Sie auch mögen (dies ist unabhängig von seiner Rassezugehörigkeit!). Oder kennen Sie einen Menschen der besonders "hundelieb" geboren wurde?! Ähnlich wie das Verhältnis eines Hundes zu Kindern, ist auch die Einstellung eines Menschen gegenüber Hunden durch seine (voran gegangenen) Erfahrungen bestimmt.

Hündin oder Rüde?
In der Regel gelten Hündinnen im Vergleich zu Rüden als anhänglicher. Ihre Gestalt ist zierlicher als die eines Rüden der selben Rasse. Während Hündinnen zweimal im Jahr läufig werden, sind Rüden immer paarungsbereit. Häufig neigen Rüden eher zu Rivalitäten mit Geschlechtsgenossen als Hündinnen.

Welpe oder erwachsener Hund?
Sie erfüllen die Vorraussetzungen zur Haltung eines Hundes und haben einen Rasse-/Mischlingshund der (nicht nur optisch sondern vor allem charakterlich!) zu Ihnen passt, ausgewählt. Nun stehen Sie vor der Frage: Welpe oder erwachsener Hund? Beides hat Vor- und Nachteile. Hier müssen Sie nach eigener Vorliebe entscheiden. Wollen Sie Ihren Hund prägen, seine Entwicklungsphasen miterleben und ihn aufwachsen sehen, so werden Sie sich eher für einen Welpen entscheiden. Zukünftige Hundehalter, die darauf keinen Wert legen und von Anfang an eher den sportlichen Aspekt (lange Spaziergänge, Joggen, Fahradfahren etc.) in den Vordergrund rücken, sind daher mit einem erwachsenen Hund besser beraten.

Erwachsener Hund: - Vorteile: Sie können den gesundheitlichen Ist-Zustand (z.B. HD und ED) des Hundes testen (lassen). Sie können sofort mit Hundesport oder anderen sportlichen Aktivitäten (Fahrradfahren, Joggen, ausgedehnte Spaziergänge etc.) beginnen ohne sich darüber Sorgen zu machen, dass Sie Ihren Hund in seiner körperlichen Entwicklung negativ beeinflussen.
- Nachteile: Er hatte schon ein Leben vor Ihnen und somit vielleicht auch schon einige Negativerlebnisse, die situativ sein Verhalten bestimmen. Eine absolute Wesensveränderung werden Sie nicht mehr hervorzaubern können. Er ist so, wie er ist. Seine Erziehung ist dennoch gut möglich.
Welpe: - Vorteile: Sie können den Hund in seiner gesamten Entwicklung beobachten und nach Ihren Wünschen (je nach Ausbildungszweck) formen. Er hat bisher wenige oder im Idealfall keine negativen Erlebnisse und ist noch für alles offen. Sie legen den Grundstein für seine spätere Ausbildung und lernen seine "Macken" (und die Ursachen dafür) mit ihm zusammen kennen.
- Nachteile: Er ist noch nicht stubenrein. Die Neigung zu Gesundheitsproblemen (z.B. HD und ED) ist noch unbekannt. Sie müssen auf seine körperliche Entwicklung Rücksicht nehmen. Hundesport und sportliche Freizeitaktivitäten (Joggen, Fahrradfahren) sind mit einem Welpen noch einige Zeit lang nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Wie sich der Charakter eines Welpen bis zum erwachsenen Hundes entwickeln wird, kann nicht zuverlässig vorhergesagt werden.
Anhand eines kleinen Welpentests können Sie einige Wesenszüge des Hundes prüfen um somit seine tendenzielle spätere Charakterausbildung zu testen.

Welpentest
Auch Welpen aus einem Wurf können in ihrem Charakter sehr variieren. Um den für Sie passenden Welpen auszuwählen, ist ein Gespräch mit dem Züchter ratsam. Dennoch können Sie anhand eines kleinen Tests einiges über die Welpen herausfinden. Dieser Test sollte mit Welpen im Alter von sieben bis acht Wochen durchgeführt werden.

Unterordnungsbereitschaft - Halten Sie den Hund wortlos für kurze Zeit vor Ihren Körper mit ausgestreckten Armen fest.



Bleibt er ruhig, ohne zu protestieren, hat er einen gefügigen Charakter. Protestiert, jault oder zappelt er, zeigt dies, dass er nicht sofort bereit ist, sich unterzuordnen.
Bindung - Spielen Sie eine Zeit lang mit ihm und entfernen Sie sich dann plötzlich wortlos. Folgt er Ihnen, so ist er sehr anhänglich. Wendet er sich schnell anderen Dingen zu, ist er sehr eigenständig.
Schreckhaftigkeit - Lassen Sie völlig unvermittelt einen Gegenstand fallen, der ein lautes Geräusch erzeugt (z.B. Schlüsselbund). Beruhigt er sich schnell oder dauert es länger und er fängt sogar an zu schreien? Ein Hund, der sich in dieser Situation schnell beruhigt, wird auch später weniger Probleme mit erschreckenden Umweltreizen haben.
Problemlösungsverhalten - Versperren Sie dem Welpen den Weg zum Futter und beobachten Sie sein Verhalten. Bleibt er ruhig sitzen oder wird er unruhig? Sucht er nach einem Ausweg, so spricht dies für eine gute Problemlösungsstrategie. Ein solcher Hund wird auch im Alltag schnell versuchen, Ihre Wünsche zu verstehen und umzusetzen. Wiederholen Sie diese Übung und der Hund hat sich den Ausweg gemerkt, so zeigt dies seine schnelle Auffassungsgabe.
Dominanz - Drehen Sie den Welpen spielerisch auf den Rücken und halten ihn einige Minuten lang so fest. Akzeptiert er dies und gibt schnell auf oder wehrt er sich heftig dagegen? Ein Hund der wenig protesiert, neigt weniger zu dominantem Verhalten.
Apportieren - Machen Sie den Hund auf einen leichten Gegenstand aufmerksam und werfen Sie ihn weg.



Interessiert es ihn nicht oder läuft er hin und bringt Ihnen den Gegenstand zurück?



Dies lässt darauf schließen, wie gern er Ihnen auch später eine Freude machen wird.

Abstufungen zwischen den hier aufgezeigten Verhaltensweisen sind möglich. Nun können Sie sich für einen Welpen mit Ihrem "Wunschcharakter" entscheiden.

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